Inhaltsverzeichnis:
1 – Zwischen Super-Mamas und Erziehungsnotstand
2 - Was mit unseren Kindern los ist – Von Muffins und nicht gemachten Hausaufgaben
3 – Warum die Psyche eine so wichtige Rolle spielt
4 – Der Abstieg in Stufen – Von der intuitiven Erziehung zur Symbiose
5 – Erste Beziehungsstörung: Partnerschaftlichkeit – Kinder werden aus der untergeordneten Rolle zwangsbefreit
6 – Zweite Beziehungsstörung: Projektion – Eltern begeben sich unter das Kinde
7 – Dritte Beziehungsstörung: Symbiose – Wenn Eltern ihre Psyche mit der ihres Kindes verschmelzen
8 – Die gestörte Gesellschaft
9 Wo wir hinkommen müssen: Die Beziehungsfähigkeit wieder herstellen – Kinder wieder als Kinder sehen
Winterhoff gründet seinen Ansatz in der dreistufigen Beobachtung von Beziehungsstörungen.
Dabei unterscheidet er zwischen
- 3 Beziehungsstörungen:
o Partnerschaftlichkeit
o Projektion
o Symbiose
Auszüge:
„Kinder erziehen ihre Eltern rein lustbetont.“
Respektlose Jugendliche – sind auch Kinder aus intakten Familien (war für uns auch die große Frage „Warum?“)
Feststellung: erziehungsresistente Kids/Jugendliche
Warum?: – fehlende psychische Reife –
Kleinkinder müssen lernen die Außenwelt als Begrenzung der eigenen Welt zu akzeptieren
Formbare Anteile der Psyche
S. 50 Problem in der Kommunikation mit jungen Leuten – Unlust
S. 54 Ziel der Erziehung: Verselbständigung (Berufsfindung / Beziehungsfähigkeit)
S. 62 sinkendes Anspruchsniveau – steigender Anspruch(Beruf)
S. 66 – Erwachsene müssen Erwachsen sein wollen !!!
S. 71 u. 77 u. 79 – Erziehung = Bildung der Psyche / ständiges Training der Funktionen (Wiederholung; Einübung Grundfunktionen; Eltern: Strukturen vorgeben). / Lernhaltung antrainieren.
Kinder und Jugendliche erleben zu wenig Grenzen > geringe Frustrationstoleranz:
S. 76 „Das Individuelle wird jedoch begrenzt durch die Tatsache, dass menschliches Zusammenleben nur funktionieren kann, wenn jeder den anderen als notwendige Begrenzung seiner eigenen Individualität versteht.“
Kontaktsuche der Erwachsenen endet beim Kind:
S. 90 „Der vom gesellschaftlichen Wandel überforderte Mensch, der beim Versuch des Schritt-Haltens mit den anderen auch vieler Kontakte zu anderen Erwachsenen verlustig ging, begab sich auf die Suche nach Ersatz und fand ihn im Kind. …“
Beispiel: … Mutter und ihr Sohn „Manuel“:
S. 94 – „Der Umgang mit Manuel sei „partnerschaftlich“.
Manuel ist der Partner seiner Mutter. In diesem kurzen Satz liegt ein ungeheures Ausmaß an Tragik. Manuels Mutter hat sich bereits ein gutes Stück weit aus ihrer Rolle als Erzieherin ihres Sohnes verabschiedet. Sie ist zwar noch erziehungsberechtigt, jedoch kaum noch erziehungsbefähigt. …
Das normale Verhältnis zwischen Manuel und seiner Mutter wäre ein hierarchisches: Manuel müsste das Briefgeheimnis kennen und akzeptieren (er hatte zuvor einfach Briefe seiner Mutter geöffnet..), er müsste wissen, dass er auf eine normal gestellte, berechtigte Frage eine normale Antwort geben sollte.“
…oftmals sind die den Kindern unterstellten Bedürfnisse, die der Eltern, Erzieher etc…. (vgl. S. 97 – geniales Bsp. – zu lange um hier festzuhalten).
S. 99 – Einüben der Frustrationstoleranz !!!
S.100 – seine Kritik / Beobachtung:
früher hatten Kinder mit Abschluss des Kindergartens hohe soziale Kompetenz erworben.
Er stellt dies gleich mit der Fähigkeit
- sich durch Erwachsene führen zu lassen
- von außen gesetzte Regeln zu akzeptieren
- im motorischen Bereich
- im Wahrnehmungsbereich
- feinmotorischer Leistung
…fehlt heute weitgehend…
Haben Kinder schon eine eigene Persönlichkeit?
S. 101
„Der Erwachsene holt das Kind…auf seine Ebene und gesteht ihm ausdrücklich zu, eine psychisch und emotional ausgereifte Person zu sein, die größten Anforderungen gewachsen ist.“
(S.102)
Damit lösen Erzieher für das Kind oftmals das Recht auf Orientierung und Halt als Bezugsperson nicht ein…
S. 106 Beispiel „Gruppentisch“
Durch den Gruppenunterricht verschiebt sich die Ausrichtung vom Lehrer auf die Mitschüler… der Lehrer verliert seine Führungsrolle…
S. 113/115: Zweite Beziehungsstörung / Projektion
„…lassen Sie das Kind doch… (S.125)“.
(Eltern begeben sich unter das Kind)
Defizite bei den Erwachsenen im Bereich: Orientierung, Anerkennung, Sicherheit (kann sich oftmals selbst nur schwer orientieren in der angebotenen Fülle von Neuem …)
So erfüllen die Erwachsenen ihre Bedürfnisse und füllen ihre Defizite („Liebe“,S.121) mit den Kindern auf. – Sie holen sich Anerkennung, die sie sich eigentlich aus der Erwachsenenwelt holen müssten. (Hier geschieht emotionaler Missbrauch der Kinder – 179). / Gefahr d. mod. Menschen: Egozentrismus u. Narzissmus (181).
- Die Erzieher/Erwachsenen werden von den Kindern abhängig (S. 118)
S. 137 – Die „Nervenzelle Mensch“ ist gestört! – Es ist kaum noch eine Integration möglich…
„Kinder und Jugendliche, bei denen sich die Nervenzelle Mensch durch das Aufwachsen im Rahmen einer symbiotischen Beziehungsstörung nicht bilden kann, verhalten sich ihrer Umwelt gegenüber grundsätzlich gegenständlich, sie haben auf allen Gebieten Defizite und sind hochgradig beziehungsgestört sowie arbeitsunfähig, so dass eine Integration in die Gesellschaft schwierig bis unmöglich wird.“
S. 140 – Diese symbiotische Beziehung führt dazu, dass das Glück des Kindes zum Glück des Erwachsenen wird !
Dabei zeigen sich
3 typische Verhaltensweisen bei den Eltern: (S. 141)
- Kindliche Impulse werden als Eigenreize u. nicht als Fremdreize verarbeitet
o (Kindimpuls als Eigenimpuls verarbeitet: S. 142; Psychenverschmelzung: S. 143)
- dem Kind wird unterstellt, dass es nichts aus böser Absicht tut (auch bei schwerwiegendem Fehlverhalten) – man sucht Erklärungen…
- bei Fehlverhalten sucht das Kind bei den Eltern eine sofortige u. gegenständliche und keine zwischenmenschliche Reaktion
Es geschieht eine Fixierung auf die Reifestufung zw. dem 10.-16. Lebensmonat des Kindes (S. 147).
> Wichtig wäre, dass der Erwachsene deutlich macht, dass er sich nicht steuern lässt (148).
Ansteigen der Gewalt gegen Kinder:
(S.151)
Wir sind auf dem „Weg in ein Land, in dem Kinder gehasst werden…“
z.B. Anschreien oder auch körperl. Gewalt interpretieren Kinder als Zuwendung… Eltern wenden sie an, weil sie die Kinder als „verlängerten Arm“ ihrer selbst verstehen, die zu funktionieren haben (sie sind ja ein Teil ihrer selbst).
S.153 Bei manchen Kindern entsteht der Eindruck, dass sie geistig behindert sind. Sie haben ein Desinteresse an Menschen und behandeln andere wie Gegenstände.
Sie sind korrekturresistent, weil sie in der frükindlich-narzisstischen Phase verblieben sind und damit ihr eigenes Verhalten und daraus resultierende Konsequenzen nicht abschätzen können
S. 157 Eindeutige Strukturen (z.B. Kindergarten/Schule) werden von Eltern oftmals torpediert und lassen vergessen, dass eindeutige Strukturen Orientierung bieten und damit überflüssigen Druck von den Kindern nehmen.
S. 169 Verstehen ist nur möglich auf der Grundlage des Verständnisses des Familiensystems…
S. 171 Veränderung ist nur möglich mit Veränd. des Systems Familie und des Systems Gesellschaft: (173) „Das Negative ist in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, das Krankhafte erscheint als der Normalzustand, mit dem wir heute wie selbstverständlich umgehen können müssen.“
S. 176 – Warum ticken auch Kinder aus besten Elternhäusern aus?
Grund und Nährboden für die erste Beziehungsstörung der „Partnerschaftlichkeit“ ist die durch den Wohlstand entstandene Ziel- und Sinnlosigkeit !!!
Es ist schwierig Wohlstand als Defizit zu verstehen (aber gerade die Übersättigung ist die Schwierigkeit).
S. 182
„Die nachlassende Frustrationstoleranz bringt eine immer geringere Leistungsbereitschaft mit sich“!
…Untergangsszenario, wie in vielen alten Hochkulturen…
Lösungen:
- die gesamte Gesellschaft muss handeln…
- Großeltern in Kindergärten/Grundschulen miteinbinden (188)
- generell zuerst ein Bewusstsein für das Problem schaffen (190/191).
Wie könnte der christl. Bereich darauf reagieren…?
Wie sieht eine gute Umsetzung aus?
Vielleicht so, wie ein Kollege aus seiner Gemeinde berichtete, in der sie sich darauf festgelegt haben, dass jeder die Kinder des anderen „miterziehen“ darf und soll. So entsteht eine offene Kritikkultur und ein hineinwachsen in Werte, die Gott gefallen und Kindern helfen, sich zu entfalten.


